Das Dortmunder Museum hat 2023 für Aufsehen gesorgt. Der Grund: Ein Besuchstag, der ausschließlich für BIPoC, d.h.Schwarze, Indigene und weitere People of Color, reserviert war.
Die Idee dahinter war eigentlich recht eindeutig einen geschützten Raum für BIPoCs zu schaffen, in dem Menschen, die Rassismus erleben, die Ausstellung ‘’Das ist kolonial’’ in Ruhe und ohne unangenehme Blicke, Kommentare oder Erklärungszwang anschauen können.
Viele fanden das super, andere eher kontrovers.
Was im Internet los war
Online ging es, wie erwartet, heftig ab. Einige kamen schnell auf den Gedanken: „Das erinnert doch an Segregation.“ Andere sprachen sogar von einem „Rassismus-Skandal“. Und natürlich ist auch der Klassiker gefallen: „Wie würde es euch damit gehen?”.
Kurz zusammengefasst wurde es laut und oft sehr ungenau.
Warum der Vergleich mit Segregation nicht passt
Auf den ersten Blick verstehen viele den Reflex: „Trennung nach Hautfarbe = schlecht.“
Aber historische Segregation, z.B. in den USA oder Südafrika, lief schon im Grundsatz anders. Sie war gesetzlich erzwungen, diente der systematischen Unterdrückung und sollte weißen Menschen Macht langfristig sichern.
Der BIPoC-Only Tag verfolgt das genaue Gegenteil:
Das Ziel ist, Schutz zu bieten, und zwar für Menschen, die heute noch die Folgen kolonialer Gewalt spüren und ihnen einen Moment geben, sich ohne Stress mit der Ausstellung offen auseinanderzusetzen.
Das hat nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern mit Fürsorge und Selbstbestimmung.
Race Theory für den Alltag
In einem älteren Video von Hsaron ging es darum, wie Race Theory uns dabei hilft, Rassismus als System zu verstehen und nicht nur als einfache Beleidigung oder offene Feindseligkeiten.
Race Theory befürwortet tiefergehende Nachfragen:
- Welche Strukturen bevorzugen wen und seit wann?
- Warum fällt uns subtiler Rassismus oft gar nicht mehr auf?
- Welche Reflexe haben wir gelernt, ohne es zu merken?
Wenn wir das auf die Museum-Debatte übertragen, wird klar, dass die Aufregung nicht isoliert im luftleeren Raum geschieht. Sie ist Teil einer langen Geschichte und eines größeren Systems.
„Reverse Racism“ oder „umgekehrter Rassismus“ warum der Begriff irreführend ist
Die Anti-Diskriminierungsexpertin Ciani-Sophia bringt’s ziemlich gut auf den Punkt:
„Umgekehrten Rassismus gibt es so nicht.“
Weiße Menschen können Diskriminierung erleben – das stimmt soweit.
Aber Rassismus als System entstand nicht, um weiße Menschen zu unterdrücken, sondern um Schwarze und Afrodeutsche sowie andere marginalisierte Gruppen zu unterdrücken und zu beherrschen, und das sowohl wirtschaftlich, politisch als auch kulturell.
Diesen Unterschied zu berücksichtigen, macht die ganze Diskussion viel transparenter.
Mehr Infos zu umgekehrten Rassismus findest du in unserem Fragebaum.
Was das Museum selbst dazu sagt
Laut dem Museum geht es darum, dass BIPoC sich ohne das Gefühl von Beobachtung oder Erklärungspflicht durch die Ausstellung bewegen können.
Viele Menschen kennen diese kleinen Momente – ein Kommentar, ein Blick, ein unbedachtes Wort – die alles sofort unangenehm machen können.
Der exklusive Tag sollte genau das verhindern und Raum für Ruhe, Empowerment und ehrlichen Austausch bieten.
Was nehmen wir daraus mit?
Egal wie man zu dem Thema steht:
Der BIPoC-Only Tag bringt wichtige Fragen auf den Tisch – über Verantwortung, Geschichte und darüber, wie wir heute miteinander umgehen wollen.
Ein paar Gedankenanregungen:
- Gab es je ein rassistisches System, das weiße Menschen unterdrückt hat?
- Wenn die Auseinandersetzung mit weißer Gewalt unangenehm ist, wird das Problem durch Schweigen wirklich besser?
- Ist ein einziger Tag wirklich ein nachhaltiger Verlust für Menschen, die an den restlichen sechs Tagen ohne Hürden hingehen können?
- Und für BIPoC: Fühlt ihr euch durch solche Initiativen unterstützt und gesehen?
Quellen
https://www.monopol-magazin.de/museum-safer-space-kommentar